Lumpenlieder

Deftiges, Trinklieder, Karnevalslieder und dergleichen

Letzte Änderung: 25.03.2025

Ich geb's zu, ich habe den Ausdruck Lumpenlieder geklaut, und zwar von der gleichnamigen Seite lumpenlieder.de. Der Eigentümer dieser Seite möge es mir verzeihen. Ich kann diese Seite aber jedem wärmstens empfehlen, der an dieser speziellen Liedgattung interessiert ist.

Eine andere passende Bezeichnung wäre auch Sauf- und Trinklieder, denn es handelt sich bei diesem speziellen Liedgut um Lieder, die vorzugsweise nach Genuss von mehr oder weniger Alkohol angestimmt werden, und die man daher gerne auf dem Oktoberfest oder auch bei Faschings- oder Fassnachtssitzungen hört. Aber urteilen Sie selbst.

Die komplette Liste dieser Lieder finden sie im Liederbuch mit der Filtereinstellung Lumpenlieder.

Amanda

Das Lied von Amanda, die mit ihren Händen Dinge tut, die sich nicht gehören, zählt zu den Klassikern dieses Genres.

Es ist sicher eher neueren Datums, vermutlich aus dem frühen 20. Jahrhundert, aber ich konnte bisher keine eindeutige Quelle finden. Laut GEMA-Datenbank gibt es zwei Varianten, eine gemeinfreie und eine mit Verwertungsrechten. Ich bin relativ zuversichtlich, dass ich die gemeinfreie Variante gefunden habe, aber eine Restunsicherheit gibt es. Sollte jemand von meinen Lesern hier eine verlässliche Auskunft geben könnte, wäre ich sehr dankbar!

Aber auch die gemeinfreie Version gibt es in mehr oder weniger kleinen Varianten, daher sollte sich niemand wundern, auch mal eine geringfügig andere Version zu hören.

Die Brombeern

Ebenfalls in die eher noch harmlose Kategorie gehört das Lied von den Brombeeren. Es geht hier um die Geschichte eines Mädchens, das alleine in einen Wald geschickt wurde und dort den Sohn des Jägers trifft. Wie das ausgeht, kann sich sicher jeder denken…

Die Brombeern
Liedanfang: Es wollt ein Mägdlein früh aufstehn

Über das Alter dieses Liedes kann ich wenig Genaues sagen. Es wurde schon von Hermann Löns unter dem Titel Brummelbeerenlied erwähnt und kommt beispiels­weise in seinem Roman Der Wehrwolf vor, der im Dreißigjährigen Krieg spielt. Ich denke allerdings nicht, dass das Lied schon im 17. Jahrhundert oder früher ent­stan­den ist.

Das Lied wurde übrigens auch von der nicht ganz unbekannten Gruppe Zupfgeigen­hansel mit geringfügig abgeändertem Text und Melodie aufgenommen.

Die Stimme der Natur

Das Lied Stimme der Natur beruht auf dem Gedicht Der Wind, das im Jahre 1728 in dem Buch „Poëtische Ergötzlichkeiten, für alle Menschen“ veröffentlicht wurde. Es galt wohl damals als reichlich anrüchig, denn der Autor wollte anonym bleiben:

Der Wind
Anonymous (ca. 1728)

 
Ich ruhte einst in Linas Lilienarmen,
sie duftete balsamisches Gewürz.
Auf einmal, mag der Himmel sich erbarmen,
erschreckt' ich ihr Gemüt durch einen F...z.
 
Drei Jahre floh'n, ich sah sie oft indessen,
sie blühte lieblich, wie der junge Mai.
Ich bat sie immer: ja nicht zu vergessen,
dass es ein Seufzer nur gewesen sei!
 
Ein Seufzer, der mich schon im Herzen quälte,
als sie in meiner Seele Raum gewann,
und der vielleicht den rechten Weg verfehlte
und sich nach hinten zu verirrte dann.
 
Mit Zittern hielt ich ihren Arm umschlossen;
sie blieb bei ihrem fürchterlichen „Nein!
Du hast der Lieb' das Lebewohl geschossen
und kannst nicht fernerhin mein Ritter sein!“
 
Das grämt mich tief, dies bringt mich noch zum Rasen;
dies wird der Nagel noch zu meinem Sarg.
Die Liebesflamme ist wie ausgeblasen
von einem Wind! Das ist doch gar zu arg!
 
Was war denn mein entsetzliches Verbrechen?
Ich sprach die freie Stimme der Natur —
Dies kann der Bettler und der Fürst aussprechen —
Warum missfiel's der holden Schönheit nur?
 
Galt ihr mein Herz, das liebende, zu wenig?
Bin ich's allein — f...zt nicht die ganze Welt?
Sowohl der Kaiser f...zt als auch der stolze König,
wie der Minister und der Kriegesheld.
 
Lässt nicht der Bauer seine Winde knallen,
so wie der Bürger und das edle Ross?
Sie tönen selbst bei kleinen Nachtigallen,
und liegt vor meiner Pforte denn ein Schloss?
 
So knüpft das Schicksal oft an Kleinigkeiten
Ereignisse bedeutungsvoll und groß,
die allerwichtigsten Begebenheiten:
Durch einen Wind bin ich mein Mädchen los!

In der Liedfassung wurde aus dem Gedicht eine Moritat, durch Anfügen einer neuen ersten Strophe und verschiedener kleinerer Textänderungen:

Die Stimme der Natur
Liedanfang: Traurig ist die Mordgeschichte, die in Ensbach ist geschehn.

Das Lied vom Selleriesalat

Um nicht in den Verdacht zu geraten, dass deftige Lieder immer nur aus der männlichen Perspektive erzählen, hier ein Beispiel über eine durchaus gerecht­fertigte Klage einer Frau über ihren Mann, die an Deutlichkeit kaum zu wünschen lässt:

Die alte Leier (Selleriesalat)
Liedanfang: Ich bin ein junges Weibchen

Sellerie zählt ja seit langem als Aphrodisiakum, was allerdings in der Wissenschaft eher umstritten ist. Wer es aber trotzdem ausprobieren will: Gemeint ist Knollensellerie, nicht Stangensellerie, und auf jeden Fall roh genießen, nicht kochen!

Studentenlieder

Studentenlieder sind meistens in studentischen Verbindungen entstanden und werden dort meines Wissens noch immer gesungen. Nachdem diese Verbindungen bis auf seltene Ausnahmen reine Männerbünde sind, ist es kein Wunder, dass einige dieser Lieder auch in die Kategorie Lumpenlieder passen.

Der Karmeliter

Dass es manche Kirchenleute mit ihrer Moral nicht immer ganz genau nehmen, ist allgemein bekannt.Das Lied von Pater Gabriel, dem Karmeliter, ist ein Klassiker, der in dieser Kategorie nicht fehlen darf:

Der Karmeliter
Liedanfang: War einst ein Karmeliter, der Pater Gabriel

Übrigens gibt es viele Varianten von diesem Lied, und nicht immer heißt der Pater Gabriel, und nicht immer ist es ein Karmeliter. In allen Varianten geht es aber um die Verführung eines (vermeintlich?) unschuldigen Mädchens. Ob dieses Lied in den Zeiten der bekannt gewordenen Missbrauchsfälle noch immer so lustig ist, ist natürlich eine ganz andere Sache!

Papst und Sultan

Wer möchte denn nicht wie ein Papst oder ein Sultan leben?

Papst und Sultan
Liedanfang: Der Papst lebt herrlich in der Welt

Inhaltlich zwar eher harmlos, aber dennoch ein bekanntes Trinklied, das gerne gesungen wird.

Vexierlieder

Vexierlieder sind Lieder, deren Text vordergründig etwas anderes sagt als eigentlich gedacht ist. Der Zuhörer muss also mitdenken und sich seinen eigenen Reim auf den Inhalt machen.

Im Falle der Lumpenlieder sind das natürlich mehr oder weniger gepfefferte ero­ti­sche Andeutungen; es wird also mit der Phantasie der kundigen Zuhörer gespielt. Kinder verstehen oft die dahinter stehende Absicht nicht und wundern sich dann, warum die Erwachsenen diese Lieder so lustig finden.

Vexierlieder gibt es allerdings nicht nur im erotischen Kontext, an anderer Stelle werde ich auch das Lied Ich bin ein guter Untertan beschreiben, das sich derselben Technik bedient.

Der Orgelmann

Es ist unnötig zu erklären, was dieser Text bedeutet. Jeder halbwegs Erwachsene dürfte ihn verstehen!

Des Jägers Klage

Auch hier braucht es kaum eine Erklärung, denn der Text spricht für sich. Vorder­gründig ein Jagdlied, spielt es mit zweideutigen Anspielungen, die allerdings manch­mal schon sehr in Richtung frauenfeindlich gehen...

Des Jägers Klage
Liedanfang: In meinen jungen jahren, da ging ich oft zum Wald

Adele

Das Lied von Adele gehört auch zu den Vexierliedern, benützt aber eine etwas andere Technik. Es spielt mit der Reimstruktur; was der Zuhörer erwartet, ist etwas ganz anderes als das, was dann tatsächlich kommt, und der Witz der Sache erschließt sich aus dieser Erwartung. Dass dann auch mal ein Vers oder ein Reim daneben geht, sei der Sache zugestanden.

Adele
Liedanfang: Ich liebte einst ein Mägdelein, der ganzen Welt zum Trotze

Man beachte den Bruch der Taktstruktur beim Übergang in den Endreim. Beim Vortragen des Liedes empfiehlt es sich übrigens, den Konsonanten des Reimwortes schon anzudeuten und eine kleine Pause zu machen, bevor man in das 3/8-Takt-Ende hineingeht.

Das Donaulied

Kommen wir nun zu einem eindeutig unanständigen Lied. Das Donaulied wurde zumindest bis vor kurzem öfters in Bierzelten gespielt, gilt jetzt aber dort wegen der enthaltenen Vergewaltigungsphantasie in den meisten Fällen als unerwünscht. Sollte eine Kapelle das Lied dennoch anstimmen, muss sie zumindest mit einem Pfeif­konzert rechnen.

Es gibt von diesem Lied etliche Varianten, von denen ich hier zwei vorstellen will:

Donaulied
Liedanfang: Einst ging ich am Ufer der Donau und fand
Die ältere, etwas weniger explizite, Version
Donaulied
Liedanfang: Einst ging ich am Ufer der Donau entlang
Die neuere, deutlich unanständigere, Version

Die Entstehungszeit des Textes ist nicht bekannt und wird zumeist um 1820 bis 1850 angegeben; anderen Meinungen zufolge könnte es auch im oder nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sein. Eine neuere, entschärfte, Textversion stammt von dem Schlagersänger Mickie Krause und sollte mit den oben angeführten Varianten nicht verwechselt werden.

Auch das Alter der Melodie ist nicht ganz klar. Die Melodie des Refrains ist weitgehend identisch mit der Melodie des sentimentalen Liebeslieds Hoch über den Klippen des Meeres dahin, das vermutlich vor 1936 entstanden ist.

Anmerkungen zum Inhalt

Nach heutigem Maßstab ist der Text des Donaulieds eine Vergewalti­gungs­phantasie, daher ist das Lied kaum mehr zeitgemäß und sollte besser nicht mehr in der Öffentlichkeit gesungen werden. Es ist zwar nicht sehr glaubhaft, dass eine Frau im Schlaf vergewaltigt wird und davon nicht aufwacht, aber andererseits muss man zugeben, dass das Geschehen nur aus der Perspektive des Mannes geschildert wird und es sich dabei um seine Schutzbehauptung handeln könnte.

Wiederum andererseits gibt es in vielen Volksliedern das Motiv, dass eine Frau sich von sich aus hingibt, dies aber nicht sagen darf, und deshalb eine Situation schafft, um den Mann zu verführen. In den meisten Fällen wird dann dem Mann vorder­gründig die Schuld gegeben. Würde man dies in allen Fällen als Vergewaltigung werten, könnte das auf sehr viele Liebeslieder zutreffen. Ob man diese Entschuldi­gung aber auf das Donaulied anwenden darf, halte ich für mehr als fraglich.

Das Wirtshaus an der Lahn

Auch Das Wirtshaus an der Lahn ist ein reichlich berüchtigtes Werk. Wobei, zugegeben, die Originalfassung aus dem frühen 19. Jahrhundert noch ziemlich harmlos ist:

Das Wirtshaus an der Lahn
Liedanfang: Es steht ein Wirtshaus an der Lahn

Wirklich berüchtigt wurde es erst durch die vielen Wirtinnenverse, die teils deftig und teils zotig oder manchmal sogar richtig porno­graphisch, sexistisch oder fast sogar pädophil daher kommen. Eine kleine Auswahl von der noch eher harmlosen Sorte ist im Volkslieder­archiv zu finden. Um noch einigermaßen jugendfrei zu bleiben, drucke ich die ganz schlimmen Strophen hier natürlich nicht ab. Bemerkens­wert ist auch, dass diese Wirtinnen­verse mehrheitlich erst nach 1900 entstanden, mithin also deutlich jüngeren Datums als das Lied, sind.